Aus den mühsamen Lehrern und Lehrerinnen, SchülerInnen und Mitarbeiter/innen (kennen Sie noch andere Varianten?) sind inzwischen Lehrende, Lernende, und Mitarbeitende geworden. Auch diese vermeintliche Lösung ist nicht wirklich befriedigend und wirkt doch sehr aufgesetzt. Alle erdenklichen Spagat-Arten, die vermeiden wollen, dass sich niemand bloss „mitgemeint“ fühlen muss, verstossen gegen unser natürliches Sprachempfinden. Wer es gut machen will, sucht möglichst einen Begriff mit sächlichem Grammatik-Geschlecht und freut sich, wenn er guten Gewissens zu „Mitgliedern“ sprechen kann. Ausser da, wo die Verkrampfung schon sehr weit fortgeschritten ist und wo nur schon der Begriff „Glieder“ die Angst aufkommen lässt, die Anrede sei gleichstellungspolitisch unkorrekt. Einmal abgesehen von jenem sehr geläufigen Scherz, der Ihnen jetzt sicher gerade in den Sinn kommt, wäre beispielsweise auch „liebe Mitgliederinnen und Mitglieder“ ein unerwünschter Auswuchs.

Diese Woche lesen wir in allen Blättern von einem neuen Sprachleitfaden, den die Berner Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann für die dortige Stadtverwaltung herausgegeben habe. Als herausragendstes Beispiel wird daraus der Vorschlag zitiert, anstatt „Fussgängerstreifen“ (der ja ebenfalls den Fussgängerinnen zu dienen hat) besser den Begriff „Zebrastreifen“ zu verwenden.

Für diesen Blog, der seinen Namen vom berühmtesten Fussgängerübergang der Welt bezieht, ist dies Anlass genug, das Problem genau zu analysieren. Ist das gravierende Problem so wirklich gelöst? Der erste Teil des zusammengesetzen Wortes ist das Neutrum „das Zebra“ und wird somit sowohl dem Anliegen der Stuten als auch jenem der Hengste vollends gerecht. Hingegen ist der zweite Teil „der Streifen“ noch immer eindeutig männlich und somit diskriminierend, sofern nicht für einen Ausgleich gesorgt wird. In unserem Blog werden wir deshalb inskünftig abwechslungsweise auch den Ausdruck „Zebrastreifinnen“ verwenden.