«Würden Sie bitte mit mir kommen? Darf ich Sie bitten, hier Platz zu nehmen? Es tut mir leid, aber ich muss Sie leider bitten, den Platz zu wechseln. Würde es Ihnen etwas ausmachen, nochmals aufzustehen? Darf ich Sie dort drüben an die Kasse bitten?»
So nett ist man früher einmal mit uns umgegangen. Die Dame vom Empfang, die uns ins Besprechungszimmer führte. Die Coiffeuse, die uns zum Haare Waschen auf einen Sitz bei der Cuvette umplacieren musste. Die Röntgenassistentin, die uns nochmals vom Schragen herunter dirigierte, weil sie etwas vergessen hatte. Die Verkäuferin im Warenhaus.
Heute ist dies anders. Niemand weiss warum, aber heute tun alle so, wie wenn das Mitkommen, das Platznehmen, das Nochmalsaufstehen oder das Zur-Kasse-Gehen eigentlich verboten wäre. In den geschilderten Situationen wird es uns jedoch ausnahmsweise erlaubt, offenbar, weil man uns ansieht, dass wir unbedingt etwas dürfen möchten.
Für den Umgang mit Kunden usw. werden heutzutage vorzugsweise Kindergärtnerinnen eingesetzt. Wie im Chindsgi, wenn das Gebot zum Stillsitzen endlich aufgehoben ist, sagen uns diese Damen auf Schritt und Tritt, was wir dürfen: «Si törfed grad mitchoo! Si törfed grad da Platz nèè! Si törfed grad deet übere sitze! Si törfed nomal uufstah! Si törfed grad deet äne a d Kasse!»
So viel Freiheit geniessen wir hier im demokratischen Westen. Ob wir wollen oder nicht, wir dürfen auch das Müssen.





