Weshalb sind wohl die meisten Schlagertexte so stumpfsinnig? Die Antwort ist einfach: Stumpfsinn ist zeitlos. Man kann solche Lieder problemlos auch noch nach Jahr und Tag als sogenannte Oldies immer wieder bringen. (O Baby, Baby, Baby / I need you and your Chlöibi).
Die Werke von Jürgen Bockelmann, geboren 1934, österreichisch-schweizerischer Doppelbürger, sind hier eine Ausnahme. Nachdem er als Udo Jürgens 1960 am Eurovisions-Schlagerfestival in Kopenhagen mit «Warum nur, warum?» für Österreich den 5. Platz erzielt hatte, schaffte er sich in der deutschsprachigen U-Musik-Szene einen Namen als Autor und Interpret eines anspruchsvolleren, chansonartigen Schlager-Stils; mit Texten, die freilich nicht das Niveau erreichten, wie wir es heute beispielsweise von Stephan Sulke oder Annett Louisan kennen.
Allerdings: Sobald Schlagertexte etwas aussagen, besteht die Gefahr, dass diese Aussage im Laufe der Jahre wegen gesellschaftlicher Veränderungen überholt wird. Dann kann man solche Lieder nicht mehr spielen. Unserem Radio DRS1 ist dies wurscht. Und so hört man als unbedarfter Radiohörer denn immer wieder und regelmässig den alten Udo-Jürgens-Hit «Ein ehrenwertes Haus». Das Lied muss sehr alt sein. Uralt. Das Lied eines sehr alten Sängers. Oder wie lange gibt es denn schon keine Wohnblocks mehr, wo nicht die Mehrheit der Bewohner sich Tisch und Bett ohne Trauschein teilen?
Ein total überholtes Lied aus der grauen Vorzeit, wo die Steuer- und AHV-Renten-Strafe für Verheiratete noch unbekannt war. Man kommt als heutiger Mensch gar nicht recht draus, was Udo da meint mit diesem Text. Hatte vielleicht Radio DRS die Tantièmen schon für 100 Jahre voraus bezahlt?
Übrigens: Das Gerücht, dass SF DRS für 2010 eine Senioren-Version von MusicStar vorbereite mit Johannes Heesters, Lys Assia und Udo Jürgens entbehrt jeglicher Grundlage.






Toll! Das wäre dann wohl sowieso eher eine Nekro- als eine Senioren-Version… Siegertitel: Oh mein Popo!