… ist nichts gewonnen.
Man kennt es von Vorschriften im Strassenverkehr oder sonst aber sicher vom Militär. Strengstens gültige Anweisungen können plötzlich abgeschafft und ins Gegenteil verkehrt werden. Sie machen einem dann beim Befolgen sehr Mühe. In meiner Rekrutenschule vor rund fünfzig Jahren durfte sich keiner ohne Helm auf einer Camionbrücke erwischen lassen. Er hätte scharfen Arrest zu gewärtigen gehabt. Ein Jahr später, nachdem ein entsprechender Unfall passiert war, war nichts mehr so streng verboten wie das Helmtragen bei Camiontransporten.
Solches gibt es auch in anderen Lebensbereichen. Was waren doch das noch für Zeiten, als man sich Päckli schickte. Dem Göttikind zu Weihnachten, dem Soldaten in den WK, usw. In jedem ordentlichen Haushalt gab es einen Vorrat an fein säuberlich gefaltetem Packpapier und aufgewickelten Schnüren in verschiedenen Längen, weil man doch nicht wegwerfen konnte, was man sicher bald wieder würde gebrauchen können. Während meiner Lehre in einem Lehrbetrieb, wo vielerlei Waren zu versenden waren, wurde ich oft zum Päcklimachen abkommandiert und erreichte eine geläufige Routine im kunstgerechten Verschnüren. Die Post legte Wert auf stabil verschnürte Pakete, die auch eine wenig sanfte Behandlung aushielten. Auch heutzutage habe ich nur ein müdes Lächeln für die Aufforderungen der Stadt, es seien nur gut verschnürte Zeitungsbündel zur Altpapiersammlung bereitzustellen, weil ich die damals à fond gelernte Kunst des straff angezogenen Verschnürens und Verknüpfens natürlich vierzehntäglich mit Stolz praktiziere.
Heute habe ich nun einen Rückschlag in dieser Sache erlitten und es hat mich hart getroffen. Ich musste eine Ware in der Original-Stülpschachtel, bestehend aus Boden und Deckel, zurückschicken. Selbstverständlich applizierte ich, wie es sich gehört, eine stramm sitzende Verschnürung. Der Frau am Postschalter blickte ich sodann triumphierend in die Augen, im Glauben, sie halte mich mit meinem stabilen Päckli für einen besonders zuverlässigen Kunden. Weit gefehlt! Die Miene, in die ich blickte, drückte eher eine gewisse Resignation aus. Dabei zog sie die Augenbrauen hoch, so in der Art „wieder einer, der es wahrscheinlich nie lernt“. „Schnüre sind nicht mehr gestattet, die Pakete bleiben beim maschinellen Sortieren daran hängen“, wurde ich hierauf belehrt. Dabei muss ich aber gleich festhalten, dass ich mich in keinster Weise über den Service zu beklagen habe. Kaum war der Hinweis durch die Beamtin ausgesprochen, klickte nämlich schon eine grosse Schere und die straffe Schnur spickte wie eine Bogensehne in eine Ecke. Gleichzeitig behändigte die Dame einen grossen Klebeband-Dispenser und verklebte flink meine Schachtel auf das Perfekteste. „Wie wollen Sie es senden? Für sieben oder für neun Franken?“ Das Päckli lag auf der Waage und diese zeigte 695 Gramm. Die Frage nach der Versandart, welche gleichzeitig eine schonungslose Bekanntgabe des Tarifs war, holte mich wieder in die Post-Welt zurück. „Für sieben“, sagte ich und steckte die elektronisch produzierte Quittung ein, auf welcher „Post Pac Economy“ stand. Für einen Moment hatte ich mir wirklich überlegt, ob ich das Päckli nächste Woche, wenn ich sowieso nach St. Gallen fahren werde, persönlich bringen solle. Namentlich da ich auch weiss, dass der Adressat nicht Englisch kann.





