In der Schweizer Detailhandelswelt gibt es zwei Riesen. Vom einen, dem Grösseren, spricht man immer vom «Orangen Riesen». Wegen seines orangen M auf traditionell blassgrünem Grund. Eigentlich war er für mich von Kindsbeinen an immer eher ein grüner Riese. Die originellen Verkaufswagen – die alten mit der aufklappbaren Seite die noch für Halteplätze gegen die örtlichen Gewerbler kämpfen mussten – waren für mich vor allem hellgrün. Und die orange Schrift war trotz des übergrossen M nur Garnitur. Ich reite hier nur deshalb auf dieser Farbensache herum, weil doch der andere Riese eben genau gleich mit einem orangen Logo auftritt. Vier Buchstaben in zwei verschiedenen Orangetönen sind doch coopel auch sehr orange.

Weil die zwei natürlich auch gegenseitig die grössten Konkurrenten sind und in den Medien bei Meldungen über Umsatzentwicklung und dergleichen gegen einander ausgespielt werden, bilden sich auch auf Konsumentenseite Parteinahmen heraus. Bei Lebensmitteln des täglichen Bedarfs, namentlich bei Landwirtschaftsprodukten, nimmt dies manchmal groteske Züge an, weil diese ja nicht Eigenmarken aus den Produktionsbetrieben der beiden Orangigen sein können, sondern am freien Markt eingekauft werden müssen.

Da gab es doch kürzlich diese Butter-Geschichte. Plötzlich hiess es, im Preiskampf um die Vorzugsbutter für unseren Zmorgetisch sei es für beide Riesen unvermeidlich, den Lieferanten zu wechseln. Sie und ich, wir sind uns an die alten Mödeli-Modelabdrucke gewohnt. Der Enzian von Floralp, der Sännebueb oder früher auch der Toni mit dem Bränteli, das waren doch noch Ankemödeli. Da wusste man beim Anrichten auf dem Butterteller auch noch, was unten und oben ist. Und nun hiess es plötzlich «Valflora» auf dem Ankenpapier. Eine Riesenenttäuschung! Nichts gegen die schnell aus dem Boden gestampfte Namensschöpfung, aber mit Butter hat dies für Unsereiner doch nichts zu tun. Und Model haben die wahrscheinlich aus Edelstahl, ohne Möglichkeit, etwas Heimeliges hinein zu schnitzen.

Die Food-and-Beverage-Managerin unseres Rentnerhaushalts gab bald den Tarif durch. Beim C hat es in der neuen Butter so Lufteinschlüsse, richtige Löcher. Bei M ist dies besser. Wir posten jetzt die Hundertgramm-Mödeli von Valflora bei M zu einem Franken fünfundvierzig. Monatelang haben wir dies jetzt so gehalten. Keine Angst; auch C hat für unsere F&B-Chefin seine Vorzüge. Wir verfügen deshalb sowohl über Cumulus wie über Supercard. Aber heute Morgen nun dies: «Jetz lueg au daa, die Migros-Butter hat wieder einen Modelabdruck. Aber was ist auch das für ein Signet?» Ich rücke meine Brille zurecht und stelle mich neben die Anrichte in der Küche. Das Bild ist zwar etwas verschwommen, aber bei ruhiger Betrachtung doch genau auszumachen. Unglaubliches präsentiert sich da den morgenmüden Augen: Das Oval mit dem Bauernhaus und den Wülchli und sogar samt dem kleinen Regenbogen vorne unten. Unter der Zeichnung in deutlichen Lettern: Coop Naturaplan.